4.000 Migranten von den Kanarischen Inseln verschwunden

4.000 Migranten von den Kanarischen Inseln verschwunden

26.11.20; Gran Canaria – – Die Strategie der Regierung angesichts der Migrationskrise auf den Kanarischen Inseln besteht darin, die Tausenden von Migranten auf den Inseln zu halten. Ein ständiger Strom von Migranten auf die Halbinsel ist jedoch zum Teil auf deren Eigeninitiative zurückzuführen.

Eine große Gruppe von Migranten trifft sich täglich an einem internationalen Geldautomaten in Puerto Rico, einem Touristenort im Süden der Insel Gran Canaria. Dort warten sie, dass deren Familien ihnen Geld schickt, damit sie weiter nach Spanien fliegen können, erklärt Yusef, einer von ihnen.

Die Strategie der Regierung angesichts der Migrationskrise auf den Kanarischen Inseln besteht darin, die Tausenden von Migranten, die in den letzten vier Monaten in Booten und Cayucos auf den Inseln angekommen sind, auf den Kanraischen Inseln zu halten. Daduch soll verhindert werden, dass die Kanaren nach den Worten von Fernando Grande-Marlaska „zur illegalen Einreiseroute“ in das übrige Kontinentaleuropa werden.

Im Jahr 2020 sind mehr als 18.400 Migranten von den Küsten Marokkos oder Senegals auf die Kanarischen Inseln gekommen. Bisher sind rund 6.000 in Hotels auf den Inseln untergebracht, weitere 2.000 in verschiedenen Asylzentren, 600 im kürzlich eröffneten CATE (vorübergehendes Zentrum) im Barranco Seco, weitere 600 im Hafen von Arguineguín, rund 2.000 wurden bereits mit Linienflügen nach Sevilla, Málaga, Alicante oder Madrid auf das Festland gebracht, knapp 300 wurden zurückgeschickt.

Etwa 2.000 unbegleitete Minderjährige kommen hinzu. Aus dieser Rechnung resultiert, dass ca. 4000 Migranten vermisst werden. Viele sind ihren eigenen Weg gegangen. Obwohl sie keine konkreten Zahlen nennen, bestätigen Polizeiquellen, dass es einen Strom von Migranten gäbe, die die Kanarischen Inseln auf eigene Faust in Richtung Spanien verlassen und von dort aus versuchen, nach Frankreich zu gelangen. In Irún, der nächsten Grenze, macht sich die steigende Zahl der Migranten bereits bemerkbar.

„Diejenigen von uns, die einen Pass haben, warten nur darauf, dass unsere Familien uns das Geld über Western Union schicken. Ich habe Freunde, die bereits zu viert oder fünft ein Taxi gemietet haben, um zum Flughafen, Richtung Spanien zu fahren. Dann rufen sie uns an“, sagt Rachid.

Ein praktisch beispielloses Phänomen in dieser neuen Welle ist, dass fast alle der Migranten einen Reisepass mit sich führen. Traditionell kamen die Migranten ohne Pass, so dass es schwieriger war, sie zu identifizieren und anschließend zurückzuschicken.

Da die Grenzen der Herkunftsländer durch das Coronavirus geschlossen wurden, die CIE (Zentren für die Unterbringung von Ausländern) auf den Kanarischen Inseln durch Präventivmaßnahmen gegen Ansteckung blockiert sind und Tausende von Menschen vorläufig an das Asylsystem verwiesen wurden, wo sie nicht länger als die gesetzlich vorgeschriebenen 72 Stunden festgehalten werden dürfen, ermöglicht es der Besitz eines Reisepasses nun vielen, einfach am Flughafen von Las Palmas anzukommen, ein Flugzeug nach Bilbao zu nehmen, einen Bus nach Irun zu nehmen und zu versuchen, die Grenze nach Frankreich zu überqueren. Alles, was es braucht, ist das Geld.

Ein Taxifahrer, der es vorzieht, anonym zu bleiben, berichtet: „Ich selbst habe Migranten zum Flughafen gebracht. Sie waren sehr freundlich und sehr höflich. Sie sprachen auf Französisch. Ich fragte sie, ob sie Geld hätten, und als sie mir das Geld zeigten, bin ich losgefahren. Die Fahrt kostet 50 Euro. Kollegen erzählten mir, dass sie auch Menschen mitgenommen haben. Aber von hier aus ist es teuer, als von Playa del Inglés.“

Nicht alle von ihnen reisen per Flugzeug. Im berüchtigsten Fall reisten am vergangenen Mittwoch 200 junge Nordafrikaner von Gran Canaria nach Teneriffa mit der Absicht, eine Fähre nach Huelva zu nehmen. Mangels erforderlicher Dokumente konnten sie nicht an Bord des Schiffes gehen. Laut der damaligen lokalen Presse schafften es mindestens zwanzig von ihnen, die ihre Pässe bei sich hatten, auf das Schiff zu gelangen. Derzeit gibt es mehrere Routen von den Inseln zum Festland. Die Haupthäfen sind Cádiz und Huelva und die Überfahrt dauert mindestens 30 Stunden. Mit dem Flugzeug sind es nur drei.

Obwohl alle Migranten, die in Patera ankommen oder auf See gerettet werden, durch die Nationalpolizei identifiziert werden, ist die Zahl der in den letzten vier Monaten verzeichneten Ankünfte (2.000 an einem Wochenende) überwältigend.

Tausende der Migranten werden ungewöhnlicherweise in Hotels auf den Inseln und anderen Zentren untergebracht. Normalerweise geschieht dies nur in besonders dringenden Fällen, zum Beispiel im Fall von Menschenhandel oder Verfolgung.

In einem Asylbewerberheim dürfen Einwanderer nicht festgehalten würden. Das Ministerium gibt zu, dass eine unbestimmte Zahl – sie haben keine Zahlen genannt – von Einwanderern ihre Aufnahmeorte freiwillig verlässt. Es würde keine nachträgliche Überwachung dieser Personen geben, zumindest nicht vom Ministerium aus.

Viele der Migranten verlassen ihr Land, da es aufgrund der Corona-Krise keine Arbeit mehr gibt. Der Übergang von Spanien nach Frankreich ist jedoch nicht einfach.

Die Grenze zwischen Irun und Hendaye ist für Einwanderer aus Maghreb seit Jahren nicht einfach, da Frankreich 2015 die Antiterror-Alarmstufe für die Angriffe des Bataclans erhöht hat. Aus diesem Grund finden in der Praxis Hunderte von Rückführungen statt, die laut Polizeiquellen immer häufiger vorkommen.

Die Grenzverstärkung aufgrund der Coronavirus-Krise erschwert den Migranten den Grenzübertritt zusätzlich. Einige werden direkt an der Durchreise gehindert.

Polizeiquellen bestätigen, dass sich die Situation in den letzten Monaten nach dem Tempo der Ankünfte auf den Kanarischen Inseln verschlechtert hat. Die Zahl der Migranten, die nach der Durchreise über die Kanarischen Inseln nach Frankreich kommen, nimmt zu.

Auch die Zahl der Mafias soll wachsen, die ihnen beim Grenzübertritt helfen. Im August dieses Jahres löste die Nationalpolizei zwei kriminelle Organisationen auf, die Migranten aus Subsahara-Ländern erpressten – Beträge um 200 Euro -, um den Grenzübergang zwischen Spanien und Frankreich über Irun-Hendaye Bayonne und mit Verbindungen sogar in Bilbao, Vitoria oder San Sebastian zu erleichtern.

Bildquelle: www.elconfidencial.com

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