Carlos und drei Behinderte werden in Santa Cruz zwangsgeräumt

Carlos und drei Behinderte werden in Santa Cruz zwangsgeräumt

Teneriffa; 03.10.2018 – – Carlos Rojas gehört zu den Menschen die sagen können dass sie im Leben nie viel Glück oder Erfolg hatten. Er ist 54 Jahre alt und in der Casa Cuna aufgewachsen. Er weiß wie sich Einsamkeit und Verlassensein anfühlt. Deshalb setzte er sich für behinderte Mitmenschen ein und hilft ihnen durch den Alltag. Seine „Kinder“ wie er sie nennt, sind 50, 33 und 20 Jahre alt. Sie alle sind zum Teil schwerbehindert und leben in seiner Wohnung.
Weil das Leben aber nicht schon ungerecht genug ist, wurde ihm wegen 700,- Euro Mietrückstand die Wohnung gekündigt. Daraufhin verfasste er einen Brief an der Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife, Jose Manuel Bermudez. Dank der Hilfe des Stadtrates konnte der Mietrückstand beglichen werden. Der Vermieter bleibt aber bei seiner Kündigung. In der nächsten Woche ist die Zwangsräumung, welche vom Gericht am Montag beschlossen wurde. Sie haben nun wenige Tage Zeit ihr Hab und Gut aus der Wohnung zu retten. Ein Sozialarbeiter versprach, das eine neue Wohnung vom Sozialamt bezahlt werden würde, wenn sie unter 400,- Euro kostet. Bisher hat Carlos, der bis vor kurzem noch als Maurer im Auditorium gearbeitet hatte, aber keine Wohnung finden können. Er will in einem Zelt vor dem Cabildo de Tenerife wohnen, denn „ich habe nichts mehr zu verlieren“, sagt er. Seine Schützlinge konnte er bei Freunden unterbringen. Sie alle erhalten eine Rente vom Staat, die aber hinten und vorne nicht zum Leben reicht, geschweige denn für eine Mietwohnung.
Auf Nachfrage beim Sozialamt wurde von dieser mitgeteilt, dass der Fall dort bekannt ist und man an einer neuen Wohnlösung für die vier Personen arbeite. Carlos will sich nicht von seinen Schützlingen trennen.
Der Fall von Carlos zeigt, dass das neue und lang herbeigesehnte Mietgesetz auch „die Falschen“ treffen kann. Denn das erst kürzlich erlassene Gesetz sollte dazu da sein, das Hauseigentümer illegal besetzte Wohnobjekte schnell räumen lassen können. Das gilt auch für legale Mieter wenn die Miete ganz oder zum Teil nicht bezahlt wurde. Das Gesetz ist auf der Seite des Vermieters. In Santa Cruz de Tenerife arbeitet man bereits daran das Gesetz lokal zu erweitern, damit bei bereits gezahlten Mietrückständen keine Räumung stattfinden kann. In dem Punkt wäre die Stadt Vorreiter für ganz Spanien.

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