Deutsche U-Boote im 2. Weltkrieg von den Kanaren aus versorgt

Deutsche U-Boote im 2. Weltkrieg von den Kanaren aus versorgt

Kanaren; 07.03.2019 – – Der Geschichtsprofessor des ULPGC, Juan José Díaz Benítez, hat die Aktivitäten der deutschen Kriegsmarine in kanarischen Häfen im 2. Weltkrieg ausgewertet und will den Mythos der geheimen U-Boot-Basis auf Fuerteventura widerlegen.
Seit dem Ende des 2. Weltkriegs gibt es die Gerüchte das der deutsche Geschäftsmann Gustav Winter eine heimliche Nazi-Basis mit unterirdischem U-Boot-Bunker auf der Halbinsel Jandia (Fuerteventura) anlegen ließ. Als Beweis für seine Anwesenheit gilt die bis heute sagenumwobende Villa Winter, die seit den 1990er Jahren der Lopesan-Gruppe gehört. Bis heute gibt es für die U-Boot-Bunker-Legenden keine Beweise. Der Geschichtsprofessor studierte alte Wehrmachtsunterlagen und fand darin tatsächlich einen Hinweis zu Gustav Winter. So beschwerte sich das OKW (Oberkommando der Wehrmacht) bei Hermann Göring über die Aktivitäten des Herrn Winter auf Fuerteventura, da sie die Aufmerksamkeit ausländischer, insbesonderer britischer Geheimdienste wecken könnte und somit die geheime U-Boot-Versorgung gefährden könnte. Die Deutsche Marine hatte bereits seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die 1930er Jahre ein Versorgungsnetzwerk auf den Kanaren angelegt, die sich aber auf die Häfen von Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria beschränkten. Der Stützpunkt in Santa Cruz wurde vom Honorarkonsul Jacob Ahlers geleitet, der Stützpunkt auf Gran Canaria vom Leiter des Woermann-Hauses, Walter Vogel.
Dies schliesst natürlich nicht aus dass andere Organisationen aus dem Dritten Reich ihre eigene Pläne mittels Gustav Winter auf Fuerteventura verfolgten und umsetzten, wenn schon nicht die Kriegsmarine selber daran offiziell beteiligt war.
Vom 30.01.1940 bis 25.09.1942 wurden, trotz der Neutralität Spaniens, 23 deutsche U-Boote mit mindestens 12 Torpedos, 1.508 Tonnen Treibstoff, 37 Tonnen Schweröl, Schmierstoffe und Proviant versorgt.
In den Häfen der Kanaren lagen vier deutsche Öltanker mit 21.810 Tonnen Diesel und 6.100 Tonnen Öl, wovon drei für die U-Boot-Versorgung zugewiesen waren. Weitere deutsche Handelsschiffe kamen dazu da der Weg nach Europa zu gefährlich schien, darunter die Amasis und die Chemnitz und weitere sieben Schiffe die von ihrer Reise aus Südamerika auf den Kanaren eintrafen. Hierbei muss angemerkt werden dass der Treibstoff für die U-Boote zum Teil aus Argentinien importiert wurde. Hingegen brachte mindestens ein spanisches Schiff , die „Boar Master“ acht deutsche Torpedos nach Las Palmas. Eine weitere klare Verletzung der Neutralität von Seiten Franco-Spaniens.
Die Versorgung der U-Boote war allerdings nicht kriegswichtig, da die eigentliche Atlantik-Schlacht weiter nördlich, zwischen Island und den Azoren, ausgetragen wurde. Das erste U-Boot das im Hafen von Las Palmas versorgt wurde, war das italienische Boot „Capellini“. Die Versorgung erfolgte von einem extra dafür umgebauten deutschen Dampfschiff namens „Corrientes“. Beispiele zur Versorgung: Alleine zwischen dem 3. und 5. März 1941 brachte die Corrientes 166 Tonnen Treibstoff in kanarischen Gewässern auf die U-Boote U-124, U-105 und U-106; Am 24. und 30. Juni wurden 111 Tonnen für U-123 und U-69 bereitgestellt. Am 5. Juli lieferte sie 54 Tonnen an U-103.
Im Tal von Tamaraceite, Las Palmas, wurden Bunkeranlagen angelegt in denen Torpedos und Versorgungsgüter für die deutschen U-Boote gelagert worden sein sollen. Die Bunker sind existent und heute begehbar. Somit gab es tatsächlich Bunker in Verbindung mit der deutschen U-Boot-Waffe auf den Kanaren. Jedoch nicht auf Fuerteventura, sondern auf Gran Canaria.
Am 05.04.1941 wurde U-167 östlich von Gran Canaria von zwei britischen U-Boot-Jagdbombern vom Typ Lockheed Hudson L angegriffen. Das schwer beschädigte Boot setzte am 06.04.41 am Strand von Las Burras (Maspalomas, Ortsteil San Agustin) den Großteil der Besatzung an Land. Danach fuhr es zwei Seemeilen zurück und wurde vom Kapitän selbst versenkt. Es gab keine personellen Verluste. Die Besatzung wurde nicht interniert, sondern bekam frischen Kleidung von der spanischen Armee und konnte später mit U-455 sowie spanischen Handelsschiffen zurück nach Deutschland gelangen. Lediglich der Torpedo-Experte blieb auf Gran Canaria um bei der Versorgung anderer U-Boote als Fachmann zu helfen.
U-167 lag nur 22 Meter tief und sechs Monate später hat ein Fischer die Enigma-Verschlüsselungsmaschine aus dem U-Boot bergen können.

U-Boote Deutsch Las Palmas 1939

Deutsche U-Boote der VIIC-Klasse liegen im Hafen de La Luz in Las Palmas de Gran Canaria 1939. Quelle: Manuel González Quevedo. LP / DLP

Titelbild: U-167 nach der Bergung im 1951/52 vor Las Burras. Das Boot konnte wieder in Betrieb genommen werden, diente dann als Filmkulisse und wurde anschließend verschrottet.

 

 

 

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